„Milchmädchen“ – G. R. Gemin

Autor: G. R. Gemin | Verlag: Königskinder | Seiten: 272 | Veröffentlichung: 06.03.14

Inhalt

Zwölf Kühe mitten in einem schäbigen walisischen Wohngebiet verstecken? Das bleibt doch niemals unbemerkt! Aber Gemmas Leben ist sowieso total durcheinander – ihr Vater ist im Knast, die Mutter abgekämpft und der kleine Bruder nervt einfach nur. Und wie sie sich mit der komischen, starken Außenseiterin Kate angefreundet hat, weiß sie eigentlich selbst nicht. Aber Kate braucht Gemmas Hilfe, damit ihre Kühe nicht verkauft werden müssen.

Gemmas Nachbarn kümmern sich normalerweise nicht so um andere Leute – geschweige denn um Tiere. Doch nun stehen dicke, muhende, Gras fressende Kühe in ihren Gärten. Und setzen einiges in Bewegung!


Meine Meinung

Betrachtet man das Cover und den Klappentext, erwartet man etwas niedliches, liebes, ländliches. Ich zumindest. Tatsächlich befinden wir uns aber in einem Ghetto voller diebischer Jugendbanden und Menschen mit Migrationshintergrund. Der Schreibstil nackig, nüchtern, manchmal vulgär. Kurz: Es war besser! Und herrlich! Ich mag’s ja nicht so blumig und wenn dann mal das Wort Drecksfresse fällt, sorgt das bei mir für Begeisterung. Und in diesem Fall auch Überraschung.

Eine Sache, die mir direkt positiv aufgefallen ist, war die Kapitellänge. Diese wurden nämlich kurz gehalten (51 Kapitel auf 272 Seiten), wirkten dadurch aber dennoch nicht zerstückelt, da der Schreibstil allgemein – wie bereits erwähnt – auf unnötige Beschreibungen verzichtet.

milchmdchenUnd ich mag Kühe. Das klingt jetzt doof, aber es ist einfach so. Ich mag ihre träge, lässige Art. Und sie sind ein wichtiger Bestandteil der Produktion von Milchprodukten, welche essentiell für mein Lebenserhaltungssystem sind. Und – nennen wir das Kind beim Namen – sie schmecken unwiderstehlich in Hamburger. Jap. So sieht’s aus. Da hab ich’s gesagt. Ich böser Nicht-Veganer. Muhaha.

Die Figuren waren wirklich gut ausgearbeitet. Und das trotz der geringen Seitenzahl. Die Beziehungen unter den verschiedenen Charakteren haben sich sehr sacht entwickelt und plötzlich war alles bunt. Ich kann’s gerade leider nicht in Wort fassen.

Um Kühe geht es in dem Buch zwar auch, viel mehr jedoch um Freundschaft und die Familie. In der Familie von Gemma herrscht ebenso wenig Zusammenhalt, wie unter den Nachbarn der Stadt Bryn Mawr. Erst als die Kühe ins Spiel kommen, verändert sich plötzlich alles. Und hier haben wir doch was niedliches an der Geschichte. Zu lesen, wie die Nachbarschaft (oder auch Gemma und ihr Bruder) plötzlich zusammenwächst, war gleichermaßen schräg, wie niedlich. Ganz zaghaft haben sie sich einander genährt.

Außerdem geht es auch um Stärke und Mut, für seine Überzeugungen einzutreten. Man muss sich eben nicht immer beugen und klein beigeben. Man muss sich nicht mit Dingen abfinden, die aussichtslos erscheinen. Oftmals sind sie eben dies nicht: aussichtslos. Es bedarf manchmal nur etwas Kreativität und Unterstützung. Dieses Buch macht das deutlich. In seiner schlichten Art, steckt hier viel bedeutendes.

Ob die Kühe am Ende gerettet werden, müsst ihr selbst lesen.


Andere Eindrücke

Miss Foxy reads | sharon.baker liestFantasie & Träumerei


Fazit

Überrascht war ich vom Buchinhalt im Vergleich zum Cover. Ich hatte mit was Anderem gerechnet, war dann aber nicht enttäuscht. Die Geschichte ist schlicht, mit groben, kurzen Sätzen. Dafür sehr feinen Charakteren und einer sehr schönen Message, dass mit Zusammenhalt und Mut Berge (oder ein Dutzend Kühe) versetzt werden können.

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Es hat geschrieben:

Maria von Riva
Maria von RivaIt's bigger on the inside.
Hey, ich bin Maria und bin 50 % von buchworte. Ich bin Hauptberuflich Rechtsanwaltsfachangestellte aus Hamburg. Überwiegend lese ich Young/New Adult und Fantasy, greife aber auch gern mal zu einem anderen Genre. Wenn ich nicht lese, schaue ich Netflix oder Let's Plays auf YouTube. Wenn keiner guckt, singe ich meinen Pflanzen Ellie Goulding vor.

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