„Sara“ – Stephen King

Autor: Stephen King| Verlag: Heyne | Seiten: 640 | Veröffentlichung: 01.11.1999

Inhalt

Seit dem Tod seiner Frau bringt der Bestsellerautor Michael Noonan keine Zeile mehr aufs Papier. Da er in seinen Träumen immer wieder sein Sommerhaus in Maine sieht, zieht er sich dorthin zurück, um die Schreibblockade endlich zu überwinden. Doch auf dem Haus liegt ein Fluch. Wird auch Michael in den Bann des Bösen geraten?


Meine Meinung

Restlos begeistert war ich nicht, aber das habe ich auch nicht erwartet. Bücher aus dem Bereich Horror und Thriller lese ich hin und wieder ziemlich gern, aber bisher habe ich noch kein Buch dieser Gattung mit dem Gedanken weggelegt „Wow, das war episch!“. Das heißt natürlich nicht, dass ich das Buch nicht genossen habe. Den Schreibstil von Stephen King finde ich absolut genial. Der Mann ist nicht umsonst Bestellerautor. Ich mochte, wie sich scheinbar simple Aussagen im Buch wiederholen oder auf manchen Sachen nochmal Bezug genommen wird, ohne großes Tamtam sondern nur ganz nebenbei und unscheinbar in zum Beispiel Dialogen der Figuren. In diesem Fall sehr auffällig die Wortkombination ein Sack voll Knochen, welche mehrmals in der Geschichte Erwähnung findet und immer wieder eine andere Bedeutung erhält.

Zur Geschichte selbst muss ich sagen, dass mir Teile davon deutlich weniger gefallen haben als andere. Aus dem Klappentext heraus erfährt man von dem Haus, auf dem ein Fluch liegt. Das war für mich der ausschlaggebende Punkt, warum ich mich für dieses Buch entschieden habe. Es hat mich direkt an Filme wie Amityville Horror, 13 Geister oder an American Horror Story erinnert und das hätte ich SO gern gelesen. Elemente, die man aus besagten Filmen/Serien kennt, kamen auch durchaus in der Geschichte vor wurden aber mit der Zeit weniger. Dafür rückte eine Sorgerechtsangelegenheit eines Mädchens im Ort immer mehr in den Vordergrund – nicht unbegründet natürlich, aber dennoch hat mich das im Spannungs- und Lesefluss doch sehr blockiert. Im letzten Drittel nahm die Geschichte dann aber noch mal so richtig Fahrt auf und wurde wirklich scheisse gut! Ich mochte es, wie man Stück für Stück von den Geschehnissen in der Vergangenheit und allem drum herum erfahren hat und es am Ende zu einem großen grauenhaften Bild zusammen gesteckt wurde.

Die Charaktere waren großartig. Sowohl einzeln als auch im Ganzen. Stephen King versteht es wirklich die Gemeinschaft einer Kleinstadt aufzubauen. Das habe ich bei Sara gemerkt und sehe es auch bei meiner aktuellen Lektüre Brennen muss Salem. Es wirkt schon fast biografisch. Der Protagonist, Mike Noonan, ist ihm dabei besonders gut gelungen. Ich kann’s gar nicht recht in Worte fassen.. ich mag seine Art. Er ist so menschlich und so unglaublich toll. Manche seiner Handlungen konnte ich für mich persönlich zwar nicht nachvollziehen, aber Stephen King hat es dennoch geschafft, dass es nie so wirkte, als würde Mike entgegen seiner Natur handeln. Alles hat immer zu seinem Charakter und entsprechend der Situation gepasst. Auch im Beschreiben der Gefühlsstimmung von Figuren ist King sehr geübt. Es hat mir regelrecht das Herz gebrochen zu sehen, wie Mike auch Jahre nach dem Tod seiner Frau noch darunter litt. SO gut schreibt Stephen King.

Wenn ich Mike sehr mochte, dann liebte ich Jo Noonan, seine Frau. Auch wenn Sie nur durch Erinnerungen in diese Geschichte integriert wurde, bekommt man so viel von ihrem Charakter und ihrer ganz speziellen Art mit. Jo habe ich als sehr aufgeweckten und offenen Menschen herausgelesen, mit vielen Interessen, vor allem im künstlerischen Bereich. Auch habe ich den Eindruck gewonnen, dass sie sich schnell und leidenschaftlich für Dinge begeistern kann. Sie engagierte sich ehrenamtlich bei verschiedenen Organisationen und Einrichtungen. Letztendlich wurde ihr ihre Hilfsbereitschaft vermutlich zum Verhängnis. Kein Mensch in dieser Geschichte kann es mit ihr aufnehmen und ironischer Weise beginnt das Buch mit ihrem Tod.

Ich könnte noch mehr über andere Figuren sprechen, die vielleicht nicht im positiven Sinne wundervoll waren, aber in ihrem Detailreichtum. Auch gibt es Punkte, zu denen ich hier so gern so viel sagen würde, es aber nicht mache, da ich die Rezension eigentlich kurz halten wollte *hust*. Wie Beispielsweise

  • die Erwähnung verschiedener anderer Romane (Rebecca, Silbermond und Kupfermünze oder Liebende Frauen), die dann auch teilweise in die Geschichte verflochten sind oder
  • die Tatsache, das dies vermutlich eins von King’s gefühlvolleren Werken ist, da es hier sehr um Emotionen wie Verlust, Rache und Liebe geht oder
  • dass King sich hier vielleicht die Angst vor Schreibblocken von der Seele geschrieben hat oder
  • den coolen Fakt, dass man tatsächlich ein kleines Album von „Sara Tidwell“ käuflich erwerben kann
  • und und und.

Ein Umstand, der mich definitiv dazu bewegen wird, auch in Zukunft mal wieder zu einem King zu greifen, ist die Tatsache, dass seine Romane (ausschließlich?) im Bundesstaat Maine spielen. Teils in echten, teils in fiktiven Städten. Damit hat man mich ja bereits als Leser gewonnen. In Bezug auf Sara gibt es Beispielsweise folgende Verknüpfungen zu anderen Romanen von King: Der Dark Score Lake ist ebenfalls Schauplatz in Das Spiel, auch haben die Protagonisten beider Bücher den selben Hausmeister. Der Ort Derry, aus dem Mike Noonan stammt, ist sowohl Schauplatz in ES wie auch in Duddits. Weitere Verbindungen, die vielleicht noch interessanter sein könnten, gibt es auf der King Wiki.


Fazit

100 %ig konnte mich Sara nicht überzeugen, eher 80 %ig. Die Sorgerechtsangelegenheit haben für mich die Spannung ziemlich rausgenommen. Auch hätte ich mir noch mehr Gruselhorror im Haus gewünscht, weil ich das eigentlich überwiegend erwartet hatte. Dafür waren die Charaktere sowie auch das Setting wirklich anschaulich entwickelt – nicht zuletzt dank des unfassbar guten Schreibstils. Da sitzt wirklich jedes Wort. Für mich muss ein Buch nicht die Geschichte des Jahres erzählen – was mich am Ball halten lässt sind die Details und Charaktere die überzeugen. Trifft hier alles zu.


Es hat geschrieben:

Maria von Riva
Maria von RivaIt's bigger on the inside.
Hey, ich bin Maria und bin 50 % von buchworte. Ich bin Hauptberuflich Rechtsanwaltsfachangestellte aus Hamburg. Überwiegend lese ich Young/New Adult und Fantasy, greife aber auch gern mal zu einem anderen Genre. Wenn ich nicht lese, schaue ich Netflix oder Let's Plays auf YouTube. Wenn keiner guckt, singe ich meinen Pflanzen Ellie Goulding vor.

2 Kommentare

  1. Hallo Maria,

    das mit den gut ausgearbeiteten Charakteren hatte ich auch bei „Sie“ und „Das Mädchen“. Vielleicht ist „Sara“ somit auch was für mich, wenn ich mich drauf einlasse und kein „American Horror Story Staffel 1 erwarte (das hat mir auch sehr gefallen).

    Vielen Dak fürs mitmachen beim #skm17, deine Beiträge zur Fragerunde und Kommentare! Hat Spaß gemacht, King kennenzulernen, sich darüber auszutauschen und andere Bücher von ihm zu entdecken… 🙂

    Viele Grüße,
    Jemima

    1. Maria von Riva sagt: Antworten

      Hey Jemima,

      danke für deinen Kommentar. Ja, Charaktere kann er wirklich gut. Auch bei „Brennen muss Salem“ und sogar in den Kurzgeschichten..

      Ich fands auch toll, dass die Teilnehmer bunt gemischt viele verschiedene Bücher gelesen haben. Dadurch hat man einen guten Einblick in King’s Bücher bekommen =)

Schreibe einen Kommentar

%d Bloggern gefällt das: