„Wenn nachts der Ozean erzählt“ – Zana Fraillon

Autorin: Zana Fraillon  | Verlag: cbt | Seiten: 277 | Veröffentlichung: 27.02.17

Inhalt

Ein Buch über Freiheit, Hoffnung und die heilende Kraft von Geschichten

Subhi ist ein Flüchtlingskind, geboren in einem Auffanglager. Seine Welt beschränkt sich auf einen staubigen Flecken Erde hinter einem Maschendrahtzaun. Aber wenn alle schlafen, dann träumt Subhi vom Nachtmeer, das zu seinem Zelt kommt und ihm Schätze bringt. Eines Tages bringt es ihm Jimmie. Das Mädchen Jimmie lebt auf der anderen Seite des Zauns, fühlt sich jedoch genauso verloren und einsam wie Subhi. Zwischen den beiden entsteht eine ungewöhnliche Freundschaft, die auf eine harte Probe gestellt wird. Am Ende müssen beide mutiger sein als je zuvor, um sich und der Welt neue Hoffnung zu geben. Quelle


 Meine Meinung

Es geht um Subhi. Ein Junge, der in einem australischen Flüchtlingscamp geboren wurde und die Welt außerhalb des Maschendrahtzauns gar nicht kennt. Die Geschichte wird im Wechsel zwischen Subhi und Jimmie, ein australisches Mädchen, das außerhalb des Zauns wohnt, erzählt. Subhis Geschichte wird in der ersten Person erzählt, während Jimmies Geschichte von einem Personalen Erzähler erzählt wird. Die Wahl des Erzählstils und dem damit verbundenen Perspektivenwechsel fand ich am Anfang gewöhnungsbedürftig, aber durch die zwei verschiedenen Erzählperspektiven war es doch sehr eingängig, und ich fand, auch gut gewählt. Durch die Ich-Perspektive erlebt man die Welt so wie Subhi sie erlebt. Eine Welt, die ich mir nur schwer vorstellen kann. Hier wird von einer Welt erzählt, in der Menschen wie der letzte Dreck behandelt werden, die kaum eine Chance auf ein Leben außerhalb des Zauns haben. Im Buch wurde immer wieder ein Irgendwann erwähnt. Irgendwann kommen sie da wieder raus, irgendwann können sie ein Leben starten, irgendwann. Da es scheinbar sehr nahe an der Realität von australischen Flüchtlingscamps ist (nach der Lektüre habe ich mir einige Artikel dazu durchgelesen und es erscheint mir in der Realität schlimmer), ist es umso schockierender für mich gewesen! Und damit aber auch umso wichtiger!

Sehr positiv kann ich das Nachwort hervorheben, denn dort geht die Autorin noch mal auf die Flüchtlingssituation in Australien und anderen Ländern ein, führt einem noch mal vor Augen, wie es in manchen Ländern in der Realität aussieht. Ich habe vorher das ganze gar nicht so wahrgenommen, aber wenn man ‚australische Flüchtlingslager‘ googelt, findet man sehr viel dazu. Und damit hat die Autorin ein Stückweit ihr Ziel erreicht. Sie hat mich aufmerksam gemacht auf die Situation, die ich vorher nicht für möglich gehalten hätte.

Den Schreibstil fand ich am Anfang gewöhnungsbedürftig, aber als ich drin war, flogen die Seiten nur so dahin und ziehen einen in die Geschichte herein. In der Geschichte hat mir der rote Faden zwar gefehlt, aber irgendwie war es auch sehr passend, denn in Subhis Leben gibt es eben auch keinen roten Faden. Die Tage verlaufen ineinander ohne das es ein Ziel gibt, außer das Irgendwann. Die Menschen, die in dem Camp leben, haben keine Aufgaben, die Kinder keine Schule. Keine Tagesstruktur. Zana Fraillon hat genau die richtige Erzählweise für diese Geschichte gewählt! Sie zeigt deutlich was mit Menschen passiert, die eigentlich nichts haben, für das es sich zu Leben lohnt und Menschen unwürdig behandelt werden. Es regt zum nachdenken an und macht betroffen.


Fazit

Ein berührendes, trauriges Buch, das unendlich wichtig ist. Ein Buch das zum nachdenken anregt, den Fokus auf Situationen lenkt, die leider Realität sind und dennoch viel zu schnell in Vergessenheit geraten. Es besticht mit einem eingängigen Schreibstil, den ich am Anfang gewöhnungsbedürftig fand, aber dem Buch eine angemessene Atmosphäre gibt. Positiv finde ich auch das Nachwort, das einen Einblick in die Flüchtlingssituation anderer Länder gibt. Und vielleicht ist das Buch Irgendwann nicht mehr wichtig und nur noch eine traurige Geschichte, ein Zeitzeugnis. Irgendwann.

Infos zu Australischen Flüchtlingscamps:

Ich habe mich nach Beendigung des Buches über die australischen Flüchtlingslager informiert und bin nach wie vor geschockt. Hier möchte ich euch ein paar Links zu Artikeln geben:
WeltZeitTagesschau,
Die Artikel. die ich gefunden habe, sind alle von 2016. In Englischen Artikeln von Mai 2017 wurde erklärt, dass die Camps auf den Inseln geschlossen werden sollen.

Andere Eindrücke

Buntes Tintenfässchen

Es hat geschrieben:

Johanna
Johanna
Hallo, ich bin Johanna, die eine Hälfte von Buchworte. Ich bin bald fertig ausgebildete Ergotherapeutin. Wenn ich gerade nicht lerne, lese ich von Klassikern über Kinder- und Jugendbücher fast alles. Nur mit reinen Liebesromanen und Horrorbüchern kann ich nicht viel anfangen. Außerdem bin ich noch stolze Katzenmama.

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