„Im Jahr des Affen“ – Que Du Luu

„Im Jahr des Affen“ – Que Du Luu

Autorin: Que Du Luu | Verlag: Königskinder | Seiten: 288| Veröffentlichung: 18.03.2016

Inhalt

Mini ist eine Banane: außen gelb und innen weiß. Ihr Vater hingegen bleibt durch und durch gelb: Er spricht nur gebrochen Deutsch und betreibt ein Chinarestaurant. Als ihr Vater ins Krankenhaus kommt, muss Mini im Restaurant schuften, sich mit dem trotzigen Koch streiten – und sie kann Bela nicht wiedertreffen, bei dem sie so viel Ruhe gefunden hat. Dann reist auch noch Onkel Wu an. Der traditionsbewusste Chinese holt die Vergangenheit wieder hoch: das frühere Leben, die gefährliche Flucht als Boatpeople aus Vietnam. Poetisch, klug, unterhaltsam: Der ungewöhnliche Roman erzählt von der Tragik des Andersseins, der Suche nach Heimat – und der Suche nach Glück.


Vorwort

Heute darf ich euch das Buch vorstellen, das mich aus meiner Leseflaute gerettet hat. Im Jahr des Affen hatte ich gar nicht mehr auf dem Zettel. Erst als ich meinen SuB 2017 ins Wohnzimmer verlegt habe, fiel mir wieder ein, dass ich es gekauft habe. Und dann wurde es auch direkt in die Hand genommen und gelesen. Hinzu kommt in diesem Fall, dass die Thematik genau meins ist, denn ich habe (wie auch Johanna) Vietnamistik studiert – wenn auch nicht fertig – und habe noch immer eine besondere Affinität zu Südostasien, speziell Vietnam. Dieser Umstand hat meinen Eindruck über das Buch sicher sehr geprägt und ich möchte direkt vorwarnen: Nur weil ich es so wundervoll fand, muss es euch noch lange nicht gefallen (auch wenn ich das sehr hoffe).

Im Jahr des Affen ist übrigens für den Jugendliteraturpreis 2017 in der Kategorie Jugendbuch nominiert und ich wünsche der Autorin und dem Verlag wirklich sehr, dass es diesen Preis gewinnt!


Meine Meinung

Minh Thi, genannt Mini, und ihr Vater sind Chinesen, die Ende der 70er Jahre, wie rund 1,5 Millionen andere, als sogenannte Boatpeople aus Vietnam geflüchtet sind, nachdem das kommunistische Nordvietnam den Süden erobert hatte. 35.000 dieser Flüchtlinge kamen nach Deutschland. Mini war damals noch fast ein Baby und kann sich weder an die Flucht noch an Vietnam erinnern. Sie ist in Deutschland zur Schule gegangen und aufgewachsen. Ihr Chinesisch ist eher schlecht.

Ihr Vater hingegen ist auch über ein Jahrzehnt später noch nicht wirklich in Deutschland angekommen. Er führt ein chinesisches Restaurant in Herford, das eher schlecht als recht läuft, zusammen mit zwei Mitarbeitern, dem Koch Bao und der Aushilfe Ling. Neben dem Restaurant und Mini hat er nichts in Deutschland. Keine Freunde, keine Hobbies. Er ist noch immer ein Fremder in der neuen Heimat, die er nicht versteht und dessen Sprache er auch nur gebrochen spricht.

Die Sprache ist ein schöner Bestandteil dieses Buches. Mini’s Chinesischkenntnisse sind nur befriedigend, ihr Vater spricht noch schlechter Deutsch. Im Verlauf der Geschichte erklärt Mini dem Leser viele chinesische Begriffe und zeigt an, wenn etwas nicht direkt übersetzt werden kann oder wenn sie das chinesische Wort einfach nicht kennt und aus dem Kontext schließen muss. Ich bin ein großer Fan von asiatischen Sprachen und fand das deshalb natürlich ziemlich interessant.

Dennoch wird einem schnell klar, dass Mini und ihr Vater Kommunikationsprobleme haben. Und das nicht nur sprachlich sondern auch kulturell. Was für Mini’s Vater oder ihrem Onkel ganz normal – chinesisch – ist, ist für Mini einfach nur peinlich. Dadurch entstehen unter anderen auch sehr witzige Situationen.

Als Mini’s Vater einen Herzanfall erleidet und einige Zeit im Krankenhaus muss, ist Mini gezwungen ganztags im Restaurant zu arbeiten. Schnell wird ihr klar, was ihr Vater jeden Tag leistet und vor allem, wie es um das Restaurant wirklich steht. Nach und nach erfährt sie mehr über Ling und Bao und auch Onkel Wu bringt sie ihrer chinesischen Herkunft näher. Sie kommt an einem Punkt, an dem sie sich fragt wer sie eigentlich ist und beginnt sich mit ihrer Vergangenheit auseinanderzusetzen.

Die Veränderung, die Mini durchlebt, mochte ich sehr. War sie zu Beginn der Geschichte noch ein eher egoistisches Mädchen, das mit ihren Freundinnen feiern gegangen und sich Tagträumen zu ihrem Schwarm Bela hingab, entwickelt sie sich zu einer aufmerksamen jungen Dame, die über ihren Tellerrand hinausblickt, anpackt und vor allem Interessen anderer über die eigenen stellt.

Zwei Dinge gab es allerdings, die mir weniger gefallen haben. Zum einen waren das Mini’s Freundinnen Sarah und Micha. Die Freundschaft der drei wirkte für mich absolut nicht echt und auch nicht schön. Zum anderen fand ich es schade, dass Mini scheinbar keine Hobbies hat. Wen sie nicht im Restaurant war, hat sie rumgelegen oder geschlafen. Das finde ich sehr schade, weil ein wenig mehr Interessen Mini auch dynamischer gestaltet hätten. Die Autorin hätte Mini hier vielleicht auch ein wenig „deutscher“ machen und damit den Unterschied zum Chinesischen noch besser verdeutlichen können.

Ich kann mir vorstellen, dass gerade aufgrund der Thematik dieses Buch nicht für jeden etwas ist. Der Schreibstil ist eher nackig und nüchtern ohne großes Ausgeschmücke. Der Humor ebenso – aber auch SO witzig. Es gibt eine Szene, in der Bela (Mini’s Schwarm) im Restaurant von Mini’s Familie isst – großartig! Ich habe so gelacht! Das Buch war genau das richtige, um mich aus meiner Leseflaute zu holen.


Fazit

Diese Geschichte ist mit der Herkunft der Protagonistin als sogenannte Boatpeople aus Vietnam spezieller als manch anderes Buch, dennoch muss es sich nicht verstecken und sollte vielleicht gerade deswegen gelesen werden. Der Schreibstil ist nüchtern, der Humor genauso, die Charaktere ebenso schräg wie entzückend. Ich fand dieses Buch wundervoll und es war genau das, was ich brauchte um meinem Lesetief zu entkommen.


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Es hat geschrieben:

Maria von Riva
Maria von RivaIt's bigger on the inside.
Hey, ich bin Maria und bin 50 % von buchworte. Ich bin Hauptberuflich Rechtsanwaltsfachangestellte aus Hamburg. Überwiegend lese ich Young/New Adult und Fantasy, greife aber auch gern mal zu einem anderen Genre. Wenn ich nicht lese, schaue ich Netflix oder Let's Plays auf YouTube. Wenn keiner guckt, singe ich meinen Pflanzen Ellie Goulding vor.


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