„Stolz und Vorurteil“ – Jane Austen

„Stolz und Vorurteil“ – Jane Austen

Autorin: Jane Austen | Verlag: diverse (hier: Reclam) | Seiten: 480 | Veröffentlichung: 1813

Inhalt

»Es ist eine allgemein anerkannte Wahrheit, dass ein Junggeselle im Besitz eines schönen Vermögens nichts dringender braucht als eine Frau.« – Dieser berühmte Satz steht am Anfang eines Romans, der zu den erfolgreichsten Liebesgeschichten der Weltliteratur gehört. Eine gehörige Portion ›Stolz‹ muss abgelegt und so manches ›Vorurteil‹ aus dem Weg geräumt werden, bis Elizabeth und Mr. Darcy endlich ein Paar werden.


Meine Meinung

Es fühlt sich seltsam an, eine Rezension zu einem Buch zu schreiben, das über 200 Jahre alt ist. Ich weiß nicht, wie es bei euch ist, aber mein menschliches Hirn kann diesen Zeitraum „über 200 Jahre“ gar nicht vollumfänglich begreifen. Ebenso schwer fällt es mir zu erfassen, dass Bücher, die vor 200 Jahren geschrieben wurden, noch immer gedruckt, gekauft und gelesen werden bzw. überhaupt die Zeit überdauert haben. Doch wer weiß, wie viele Bücher es nicht geschafft haben und was wir für wundervolle Geschichten nie lesen werden. Doch zurück zur Rezension.

Was ich erwartet habe, kann ich gar nicht genau sagen. Vermutlich nichts und doch alles. Meine Liste voll außerschulisch gelesener Bücher, die mit diesem Alter vergleichbar wären, ist ausgeprägt kurz und umfasst lediglich Sturmhöhe (1847) und Alices Abenteuer im Wunderland (1865). Von dieser Liste ist nur das erste Buch tatsächlich thematisch vergleichbar, weswegen ich auch etwas in dieser Art erwartet habe. Sprich, einen Klassiker aus dem 19. Jahrhundert mit entsprechender Sprache und gesellschaftlichen Umgangsformen. Und natürlich Liebe. Das habe ich auch bekommen. Nicht mehr und nicht weniger. Es war schön.

An den Schreibstil, der so ganz anders als die heutige Literatur ist, musste ich mich nicht extra gewöhnen, ich habe ihn vom ersten Wort an aufgesogen und leidenschaftlich geliebt mit der Kraft von 1000 Sonnen. Ich liebe diese formelle übertriebene Höflichkeit und vor allem das höfliche Verachten und Beleidigen. Könnte ich Verachten wie Mrs. Bennet und beleidigen wie die Baronin, ich hätte viel mehr Spaß im Leben.

Bei Elizabeth und Mr. Darcy mochte ich, dass sie eben nicht den Persönlichkeiten entsprachen, wie sie sonst in dieser Erzählung vorkommen. Elizabeth, wenn auch schnell Vorurteile verteilend, begnügt sich nicht nur mit dem Blick bis zum Tellerrand, sondern schaut auch darüber hinaus. Sie hinterfragt, wägt ab und entscheidet, durchdacht aber bestimmt. Mr. Darcy, sparsam im Verteilen von Komplimenten .. und Wörtern im Allgemeinen, wäre auch mein Lieblingsmann in dieser Geschichte gewesen, selbst wenn er nicht Elizabeth‘ Zukünftiger wäre.

Neben Elizabeth und Mr. Darcy bin ich ein großer Fan von Mr. Bennet. Seine Art, sich aus allem heraus zu halten und die Dummheit und Eigenarten seiner Frau und der jüngeren Töchter einfach zu ignorieren, ist sehr beeindruckend. Vor allem wie er sich dann wiederum doch einschaltet und besagte Personen ein bisschen aufs Korn nimmt. Er ist ein sehr cleverer Gentleman, das genaue Gegenteil zu seiner Frau und hat hier zu viel Witz beigetragen.

Mit der Vielzahl an Figuren hatte ich ebenfalls keine Schwierigkeiten. Wer Das Lied von Eis und Feuer oder ein Stephen King Buch gelesen hat, der ist die Einführung von 50 Charakteren auf 20 Seiten gewöhnt und gut auf andere Literatur vorbereitet, möchte ich meinen. Die Personen konnte ich also sehr gut abspeichern, Probleme breitete mir dann eher, die entsprechenden Wohnsitze zuzuordnen. Aber das erschloss sich dann meist aus dem Kontext. Apropos Wohnsitz: Ich hätte auch gern ein Frühstückszimmer und jemanden, der mir morgens die Haare macht. Auch eine Sache, die mir an solchen Geschichten gefällt: diese pompöse Faulheit. Im Grunde machen die Damen ja nichts weiter als sich auf ihre Rolle als verheiratete Frau vorzubereiten. Mal hier ein bisschen wohnen und durch den eigenen Park spazieren, mal da ein bisschen wohnen und tanzen.

Zum Hintergrund des Buches und Jane Austen selbst habe ich nicht viel gelesen. Nur soviel, dass ich weiß, dass sie ihre Bücher nicht unter ihren Namen sondern anonym veröffentlicht hat. Daher stellt sich mir die Frage, ob die Autorin sich mit der Figur „Jane“ vielleicht teils oder gar ganz selbst porträtiert hat? Die Vermutung liegt nahe. Als Autor wählt man wohl nicht zufällig den eigenen Namen für eine Figur. Sollte dem so sein, wenn auch nur ein wenig, dann muss Jane Austen eine sehr angenehme Gesellschaft abgegeben haben.


Fazit

Alles in allem kann ich sagen, dass ich diese Geschichte sehr genossen habe. Der Schreibstil war brillant, die Figuren hätten nicht besser sein können und die Geschichte nicht einnehmender. Jane Austen ist eine sehr clevere Frau, die nicht umsonst auch 200 Jahre nach Erstveröffentlichung noch in Bestsellerlisten erscheint. Dies war mein erster ihrer Romane und ich freue mich jetzt bereits auf die anderen.


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Es hat geschrieben:

Maria von Riva
Maria von RivaIt's bigger on the inside.
Hey, ich bin Maria und bin 50 % von buchworte. Ich bin Hauptberuflich Rechtsanwaltsfachangestellte aus Hamburg. Überwiegend lese ich Young/New Adult und Fantasy, greife aber auch gern mal zu einem anderen Genre. Wenn ich nicht lese, schaue ich Netflix oder Let's Plays auf YouTube. Wenn keiner guckt, singe ich meinen Pflanzen Ellie Goulding vor.


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