Lesung | Flugangst 7A – Sebastian Fitzek

Lesung | Flugangst 7A – Sebastian Fitzek

Sebastian Fitzek habe ich durch eine Kollegin kennengelernt. Bzw. kannte ich ihn schon vorher, hatte aber noch nie ein Buch gelesen, denn im Thriller-Genre bin ich noch nicht lang unterwegs. Besagte Kollegin hat mich dann mit Chemie des Todes von Simon Beckett, Die letzte Spur von Charlotte Link und eben Seelenbrecher von Sebastian Fitzek ausgestattet. Diese las ich dann auch, wobei mir Seelenbrecher am besten gefallen hatte. Kurz darauf erschien Das Paket und seitdem habe ich mir jedes Buch am Release-Tag geholt (waren ja erst drei) und direkt gelesen. Die Bücher von Fitzek kaufe ich mir mittlerweile auch ohne die Inhaltsangabe lesen zu müssen. Hier weiß ich, dass ich nichts falsch mache.

Die Lesung fand während des Hamburger Krimifestivals statt. Eine alljährliche Veranstaltung, die sich vermutlich selbst erklärt. Sebastian Fitzek ist hier regelmäßiger Gast im Programm. Dieses Jahr fand das 11. Krimifestival statt und die Lesung von Herrn Fitzek war am 11.11.2017 – was für eine Kombination! Ich war höchst erfreut und zutiefst euphorisch, als meine Kollegin (dieselbige) sogar noch Karten für uns bekommen konnte. Ca. 8 Stunden, nachdem Fitzek es auf seiner Facebook-Seite erwähnt hat und die Veranstaltungshalle gefühlt schon ausverkauft war. Leider hatten wir keine Plätze nebeneinander, aber was solls! Man unterhält sich im Allgemeinen ja nicht viel. Es geht eher ums Zuhören.

Um 19:30 Uhr Ortszeit fanden wir uns also vor dem Kampnagel ein und bestellten uns ein alkoholfreies Getränkt. Wir schauten uns im Vorraum des Kampnagels um. Die Halle war voller Menschen. Stellenweise musste man sich durchzwängen. Nun fand zur gleichen Zeit eine Lesung mit Wolfgang Schorlau, in einer anderen Halle, statt. Es waren also nicht nur Fitzek-Leser um uns herum, wir gingen aber davon aus, dass sie den Großteil ausmachten. So standen wir nun da, unterhielten uns über die ersten zwei von drei Urlaubswochen meiner Kollegin (sie war in China und Hongkong), als die Durchsage kam, dass der Einlass gewährt wird, aber bitte keine Getränke mit rein genommen werden sollen. Unser Blick fiel auf die Flaschen in unserer Hand. Genervtes Gestöhne, kurzes Gekicher und schnell die Coke wegexen, am Kartenabreißer vorbei, durch die falsche Tür gehen, dann durch die Richtige und schon standen wir auf der Treppe vor unseren Reihen. Wie schon erwähnt, hatten wir Plätze in unterschiedlichen Reihen, meine Kollegin saß zwei Reihen hinter mir. Der Platz neben ihr direkt am Gang war leer und sollte es auch bleiben, sodass ich mich glücklicherweise später zu ihr setzen konnten.

Es handelt sich hier um meine erste Lesung überhaupt, mir mangelt es also an Vergleichsveranstaltungen, aber die Bühne hat mir gefallen. Blaue und rote Lichter im Hintergrund, ein (noch) unbesetzter Schreibtisch und das Bild eines Fensters im Flugzeug mit alarmierendem Leuchten des Notsignals. Hier werden wir später ein paar visuelle Effekte zu sehen bekommen, die die Lesung und Erzählungen von Fitzek begleiten.

Um Punkt 20:00 Uhr gings los. Nach einer kurzen Vorstellung des Veranstalters betritt auch schon der Hauptakteur die Bühne. Er erzählt, wie gern er hier in Hamburg ist, besonders am 11.11. zum 11. Krimifestival, und beginnt von seinem neusten Werk Flugangst 7A zu sprechen.


Es gibt eine tödliche Waffe, die durch jede Kontrolle kommt.
Jeder kann sie ungehindert an Bord eines Flugzeugs bringen.

Ein Nachtflug Buenos Aires-Berlin.
Ein labiler Passagier, der unter Gewaltphantasien leidet.
Und ein Psychiater, der diesen Patienten manipulieren soll, um an Bord eine Katastrophe herbeizuführen.
Sonst verliert er etwas sehr viel Wichtigeres als sein Leben …

Der neue Psychothriller von Bestseller-Autor Sebastian Fitzek: In der Tradition von PASSAGIER 23 spielt er mit den menschlichen Urängsten des Eingeschlossenseins und der Hilflosigkeit an Bord eines Flugzeugs.


Fitzek erzählt von der Thematik Flugangst und dass er Menschen, die darunter leiden, durchaus verstehen könne. Er sieht die Angst darin begründet, dass Menschen von Natur aus einfach nicht in 10.000 m Höhe gehören, eingesperrt in eine Aluminiumröhre, über Stunden hinweg, 600 anderen Passagieren hilflos ausgeliefert. Er selbst habe keine Flugangst, aber eine Flugsorge. Mit viel Witz und Charm erzählt er von einem recht holprigen Flug nach Wien, der so einschneidend war, dass er die Rückfahrt nach Berlin mit dem Taxi angetreten hatte. Aber auch Taxifahrten können es in sich haben. Die erste Szene der Lesung beginnt, Herr Fitzek schlendert zum Schreibtisch und liest aus Flugangst 7A vor, wie Nele’s Fruchtblase platzt, sie ins Taxi steigt, aber das Taxi seinen ganz eigenen Kurs fährt.

Es folgt eine Lesepause, in der Fitzek wieder Geschichten aus seinem Leben erzählt, die für ihn in den Moment vielleicht nicht so witzig waren, für das Publikum allerdings sehr. Er hat nicht nur ein Talent zu schreiben sondern auch ein Talent zu erzählen – das geht meistens einher, aber gehört dennoch nicht zwangsläufig zusammen. Untermalt werden seine Berichte mit Fakten zum Fliegen und anschaulichem Bildmaterial. Darunter zum Beispiel folgendes Video:

Bei seiner Recherche zum Buch hat er sich folgendes gefragt: Wo sitzt man sicherer und wo eher nicht. Der Sitz, den man im obigen Video aus dem Flugzeug fliegen sieht ist beispielsweise Platz 7A – nicht unbedingt ein sicherer Platz. Weiter hat sich Fitzek gefragt, wo saßen wohl all die Menschen, die einen Flugzeugabsturz überlebt haben? Leider gibt es dazu kaum Dokumentationen. Ein Überlebensopfer zu fragen, welchen Platz es gebuchte hatte, zählt wohl nicht zu den üblichen Informationen, die eingeholt werden. Doch es gab da einen Fall, 1971: Juliane Koepcke überlebte als einzige einen Absturz im peruanischem Regenwald. Ihr Sitzplatz? 19F.

Doch warum erzählt uns Fitzek das? Nun, seine Figur Mats Krüger bucht gleich mehrere Plätze. Er leidet unter großer Flugangst – mit seinem Job als Therapeut fast schon ironisch. Er ist damals mit dem Schiff von Deutschland nach Argentinien ausgewandert und macht sich nun zur Geburt des Babies seiner Tochter auf den Weg nach Berlin – zu spontan, um mit dem Schiff zu fahren. Er recherchierte vorher umgehend alle möglichen Daten. Wo man beim Start am sichersten sitzt, während des Fluges und bei der Landung. Somit reserviert er drei potenziell sicherer Plätze. Und auch Sitz 7A – einfach nur, damit niemand sonst dort sitzt.

Fitzek begibt sich wieder zurück an seinen Leseplatz und schlägt das Buch auf. Als nächste Szene hören wir von dem Moment, als Mats seinen ersten Platz im Flugzeug einnimmt und seine Sitznachbarn kennenlernt. Es folgt wieder eine Lesepause, in der er erneut ein paar schöne oder auch nicht schöne Bilder zeigt und von privaten Erlebnissen erzählt. Es war herrlich ihm zuzuhören und alle haben herzlich gelacht. Wir haben uns super amüsiert. Ich muss auch zugeben, dass ich die Berichte zwischen den Leseabschnitten interessanter fand – was aber nicht am Buch liegt, sondern daran, dass ich es natürlich schon gelesen hatte.

Der letzte Leseabschnitt beschreibt die Szene, in der Mats einen Anruf einer ihm unbekannten Person erhält. Ihm wird gesagt, dass er das Flugzeug zum Absturz bringen soll. Wenn nicht, muss seine Tochte Nele und ihr Baby sterben. Das Publikum hält gebannt den Atem an. Neben mir höre ich eine Frau energisch flüstern „Das habe ich schon gelesen! Die ersten 100 Seiten habe ich schon durch!“. Ich bin bemüht, mir mein Schmunzel zu verkneifen, auch wenn man es in der dunklen Halle eh nicht gesehen hätte.

Das Event neigt sich dem Ende zu, tobender Applaus. Sebastian Fitzek stellt aber noch eine Frage. Die Antwort darauf verrät eventuell, wie viel Psychopat in einem steckt. Zuvor erzählt er aber eine kleine Geschichte: Eine Frau befindet sich auf der Beerdigung ihrer Mutter. Am Rande der Hochzeitsgesellschaft sieht sie einen gutaussehenden Mann stehen. Nach der Beerdigung ist er jedoch verschwunden. Zwei Wochen später tötet besagte Frau ihre Schwester. Fitzek’s Frage: Warum? In der ersten Reihen gehen die Hände hoch und Überlegungen werden in den Raum gerufen. An dieser Stelle dürft ihr selbst überlegen, was die Ursache für den Mord sein könnte.  (Wer die Antwort nicht wissen will, überspringt bitte den nächsten Absatz).

Meine Überlegung war, dass die Schwester eine Beziehung mit dem Fremden eingegangen ist und die Frau sie aus Eifersucht umgebracht hat. Wie sich herausstellt, ist das die gängige Meinung der Anwesenden. Neben mir höre ich von meiner Kollegin ein leicht abwertendes „Quatsch.“ gefolgt von einem „Sie will ihn wiedersehen.“ Zuerst war mir nicht klar, was sie meinte. Meine Aufmerksamkeit galt auch immer noch Herrn Fitzek, der sich gerade eine Version einer Dame anhörte, die er dann wiedergab. Die Dame meinte, dass die Frau ihre Schwester getötet hat, um eine weitere Beerdigung zu forcieren, um eventuell den Fremden wieder zu treffen. Fitzek hebt den Finger, legt eine bedeutungsschwere Pause ein und sagt, dass genau das die Psychopathen-Antwort ist. Schlagartig wird mir klar, dass das auch die Antwort meiner Kollegin war. Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass mir nicht ein wenig mulmig zu mute war.

Nach dieser letzten Aufgabe und da niemand im Publikum weitere Fragen hatte, wurden wir entlassen und flitzten schnell nach unten und ans Ende der Schlange, um uns unsere Bücher signieren zu lassen. Nach ziemlich genau einer Stunden hatte er seinen Namen in mein Buch gekritzelt und der nette Herr von der Security schoss mit meinem Handy noch ein Foto zur Erinnerung.

Ich muss sagen, dass ich seit sehr sehr langer Zeit nichts mehr unternommen habe, dass so spät begonnen hat und mich fast bis in die Nacht von meiner Leseecke getrennt hat. Aber es hat sich definitiv gelohnt. Es hat unglaublich Spaß gemacht. Sebastian Fitzek ist ein wahnsinnig netter, witziger und höflicher Mensch und steht im direkten Kontrast zu seinen Büchern. Ich hoffe sehr, es ergeben sich für mich noch mehr Gelegenheiten, bei seinen Lesungen teilzunehmen.

Es hat geschrieben:

Maria von Riva
Maria von RivaIt's bigger on the inside.
Hey, ich bin Maria und bin 50 % von buchworte. Ich bin Hauptberuflich Rechtsanwaltsfachangestellte aus Hamburg. Überwiegend lese ich Young/New Adult und Fantasy, greife aber auch gern mal zu einem anderen Genre. Wenn ich nicht lese, schaue ich Netflix oder Let's Plays auf YouTube. Wenn keiner guckt, singe ich meinen Pflanzen Ellie Goulding vor.


5 thoughts on “Lesung | Flugangst 7A – Sebastian Fitzek”

  • Hallo Maria 🙂

    Der Beitrag ist unglaublich gut geschrieben. Es hat richtig Spaß gemacht, deine Eindrücke zu lesen, weil du sie eben selbst wie eine Geschichte erzählt hast und nicht nur stumpf geschildert hast, was da so passiert ist. Wirklich toll!

    Sebastian Fitzek ist einer der liebsten Autoren meiner Mutter. Ich kenne also alle seine Bücher vom Sehen und vom Schwärmen meiner Ma. Flugangst 7 A habe ich ihr direkt zum Erscheinen vorbestellt und sie meinte, sie müsse sich dafür ganz gezielt Zeit nehmen, denn wenn sie erstmal anfängt, wird sie nicht wieder aufhören können und das bedeutet, dass Essen vorbereitet sein muss für meinen Papa, der Haushalt muss komplett erledigt sein und es darf kein Besuch kommen. Meine Mutter gehört dann ganz dem Buch. Ich bewundere es immer wieder, was für einen Sog die Bücher von Fitzek auf manche Menschen haben und ich muss gestehen, dass ich AchtNacht eigentlich lesen wollte. Meine Mutter meinte aber, dass es eigentlich nichts für mich ist, weil ich eben nicht der Krimi und Thriller-Leser bin. Auch sein neues Werk macht mich sehr neugierig. Mal sehen, vielleicht gebe ich ihm mal eine Chance, wenn er so fesselnd schreibt.

    Dass Fitzek so sympathisch ist, habe ich nun schon oft gehört. Bei seinen Büchern hätte ich das nie gedacht, aber menschlich scheint er wirklich etwas drauf zu haben. Noch ein Punkt, weshalb ich seine Bücher lesen möchte, denn wenn der Autor sympathisch ist, möchte man irgendwie auch sein Buch lesen. ^^

    Die Frage, die er am Ende gestellt hat, kenne ich schon, aber ich bin überrascht, wie viele anscheinend die Psychopathen-Antwort kannten. :’D Was da nicht alles in den Menschen schlummert … Aber es heißt ja auch, dass Menschen, die einen Hang zum Psychopathen haben, schwarzen Kaffee trinken. 😉

    Liebste Grüße
    Ellen

    • Liebe Ellen,

      vielen lieben Dank für deinen (fetten) Kommentar! 😀 Es freut mich, dass der Bericht nicht so langweilig ist. Ich hatte tatsächlich auch beim Schreiben Spaß dran.

      Dass deine Mutter sich für seine Bücher ganz bewusst Zeit freischaufelt, kann ich absolut verstehen. Zum Release war ich gerade krank zu Hause und habe die Chance auch genutzt und das Buch fast in einem Stück durchgelesen. Zwischendrin musste ich aber ein paar Stunden schlafen. Ich denke auch, dass Fitzek vielleicht eher nicht in dein Leseschema passt. Aber man kann sich ja immer mal wieder in ein anderes Genre wagen. Ob Flugangst oder AchtNacht dann die beste Wahl ist für das erste Buch, ist schwer zu sagen. ‚Das Paket‘ findet ich ganz gut geeignet als erstes Buch (es war mein zweites). Das ist nicht ganz so actionlastig und thrillerhaltig. Hier spielt sich die Action eher im Kopf der Protagonistin statt. Es ist eines seiner leichteren Bücher.

      Fitzek meinte bei der Lesung, dass Menschen zu ihm kommen und sagen „Mensch, Sie sind so sympathisch. Schreiben Sie doch mal was nettes. Eine Komödie zum Beispiel“. Er meinte dann, dass er es schon versucht hat, aber spätestens nach 200 Seiten wird der nächstbeste Charakter zum Psycho und die Geschichte zum Thriller 😀 Was das wohl über ihn aussagt, hatte er dann noch ergänzt.

      Ein Grund, warum seine Bücher so gern und viel gelesen werden ist sicher auch, weil es ihm wichtig ist, nahe beim Leser zu sein. Auf Facebook soll es ja so sein, dass er sich quasi jeden Kommentar und jeden Beitrag ansieht und auch viel interagiert mit den Leuten. Kann ich nicht beurteilen, weil ich kein Facebook habe, aber das höre ich auch öfter. Es macht halt schon einen Unterschied, ob man einfach nur ein Buch schreibt und veröffentlicht oder ob man sich zusätzlich auch noch für die Leser interessiert.

      Liebe Grüße
      Maria

  • Hallo,
    das ist ein ganz wunderbarer Bericht über die Lesung. Danke das du uns daran teilhaben lässt. 🙂
    Ich selber war auch schon einmal bei einer Fitzek Lesung und ich kann alles nur bestätigen. Er ist ein super Redner und Entertainer und erzählt alles mit einem gewissen Witz. Dazu kann er auch noch seine Bücher gut lesen und vermarkten. Ein wirklich sympathischer Mensch!
    Liebe Grüße
    Diana von lese-welle.de

    • Hallo Diana,

      lieben dank für deinen Kommentar! Freut mich, dass du meine Eindrücke bestätigen kannst, das heißt, dass er seine Lesungen wohl immer so interessant gestaltet und nicht nur einen guten Tag hatte 🙂 Er ist wirklich ein unglaublich sympathischer Mensch. Ich hoffe, es war nicht meine letzte Lesung mit ihm!

      Liebe Grüße
      Maria

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