In der Kürze | Wenn es drei Mal weihnachtet … oder nicht?

In der Kürze | Wenn es drei Mal weihnachtet … oder nicht?

In der Vorweihnachtszeit wollte ich mich nicht nur mit Weihnachtsdeko, -film und -gebäck in die entsprechende Stimmung bringen, sondern auch literarisch und habe mir dafür diese drei Bücher ausgesucht. Von allen Dreien habe ich eine leichte Weihnachts- bzw. Winterliebesgeschichte erwartet. Auch wenn Cover und Titel der Bücher ziemliche Ähnlichkeiten aufweisen und sie auch dem selben Genre angehören, könnten die Unterschiede kaum größer sein. Meinen Eindruck zu den jeweiligen Geschichten könnt ihr unten nachlesen, kurz zusammengefasst kann ich aber sagen: Winterzauber wider Willen ist die weihnachtlichste der Geschichten in einer schönen winterlichen Kulisse und einer typischen Liebesgeschichte jedoch ohne großen Kitsch. Winterzauberküsse ist – meiner Meinung nach – grauenhaft in seiner vollen Gänze und dazu noch null weihnachtlich und ohne Schnee – hier wurde das Buch voll an der Geschichte vorbei designt (was ist das los, Fischer Verlag?). Sternenwinternacht war das emotionalste Buch dieser Auswahl und verdient den Stempel der „emotionalen Gefühlsachterbahn“. Leider auch nicht weihnachtlich, dafür aber ganzjährig lesbar.


WINTERZAUBER WIDER WILLEN

Autorin: Sarah Morgen | Verlag: MIRA Taschenbuch | Seiten: 345 | Veröffentlichung: 10.11.14

Plot: Dezember: und Kayla Green hat nur einen Weihnachtswunsch: dass das „Fest der Liebe“ möglichst schnell vorbeigeht! Schlitten, Rentiere und dieser bärtige alte Mann im roten Mantel sind ihr ungefähr so angenehm wie Zahnschmerzen. Da kommt der PR-Expertin der Auftrag von Jackson O`Neil sehr gelegen. Als der Hotelier sie bittet, die Feiertage im malerischen Snow Crystal zu verbringen und dort eine Kampagne für das Skiresort seiner Familie zu entwickeln, kann Kayla nicht Nein sagen. Immerhin ist Jackson ihr Auftraggeber – und dazu äußerst attraktiv! Und die luxuriöse Blockhütte, in der er sie einquartiert, entpuppt sich zum Glück als lamettafreie Zone. Doch schon das erste Treffen mit Jacksons Familie bringt die Weihnachtshasserin ganz schön in Bedrängnis …

Meine Meinung: Als Jackson und Kayla sich zum ersten Mal begegnen spüren sie vom ersten Moment an eine Anziehungskraft, die sie so natürlich vorher noch nie erlebt haben. Dieses Klitschee eines Liebesromans hat mich direkt bremsbereit und von Gas gehen lassen. Doch zu den erwarteten (weil typischen) Szenen, wie Sexphantasien oder vulgäre Gedanken kam es zum Glück nicht. Die Geschichte zwischen den beiden entwickelt sich mit Bedacht, da Kayla zum einen stets versucht ihre Professionalität gegenüber ihren Kunden zu bewahren und zum anderen bemüht ist, sich auf keine Beziehung einzulassen. Jackson hingegen braucht für seine privaten Verhältnisse kein Label und würde gern sehen, wohin es sie treibt. Dass er bei Kayla da auf Granit stößt, wird er schnell merken.

„Glück besteht nicht darin, das Unglück einfach zu vermeiden. Du kannst dein Leben damit verbringen, Felsbrocken aus dem Weg zu gehen, oder du kannst auf einem hinaufspringen und dich von dort aus umsehen. Damit du siehst, was dir entgeht.“
– S. 349

Das ganze spielt in einer wundervollen Kulisse, in einem Skiresort im Bundesstaat Vermont. Eine verschneite Bergregion. Zur Weihnachtsstimmung trug die Familie O’Neil bei, mit allem was man zu Weihnachten so macht und vor allem einer unglaublichen Familiendynamik, wie man sie gern in Weihnachtsfilmen sieht.

Auch ist die Geschichte sehr schön erzählt. Der Schreibstil ist wundervoll und die Dialoge zwischen der verschiedenen Charaktere wirkten auf mich nie seltsam, sondern sehr natürlich. Die Figuren sind – wenn auch teilweise vielleicht ein wenig zu perfekt – alle durchweg sympathisch. Die Sexszenen – ja, es gibt welche – waren nicht unnötig gestreckt, nicht vulgär oder frauenverachtend. Auch die Dialoge zwischen Kayla und Jackson empfand ich im richtigen Maße romantisch und nicht kitschig. Für mich war es genau die richtige Dosis Liebe. Das Ende des Buches hat mich unglaublich glücklich gemacht und den erhoften Teil zur Weihnachtsstimmung beigetragen. Ich wünschte nur, wir hätten in Norddeutschland mehr Schnee.


WINTERZAUBERKÜSSE

Autorin: Sue Moorcroft | Verlag: Fischer | Seiten: 432 | Veröffentlichung: 27.10.16

Plot: Liebesfunkeln braucht keinen Wunschzettel! Hutmacherin Ava trifft Sam auf einer hippen Londoner Vorweihnachtsparty. Er hat einen Auftrag für sie: ein Hut als Geschenk für seine schwerkranke Mutter Wendy – vielleicht wird es ihr letztes Weihnachten sein. Als Wendy in Avas Studio kommt, glaubt sie voller Freude, Sam sei mit Ava zusammen. Sam bittet Ava, diesen Irrtum nicht aufzuklären, sondern so zu tun, als wären sie ein Paar – nur für die Vorweihnachtszeit…  Der perfekte Winterroman für alle, die Romantik suchen.

Meine Meinung: Noch nie hatte ich das Bedürfnis nach einer Rant-Rezension verspürt, doch bei diesem Buch juckt es mir in den Fingern. Und das tut mir sehr leid, da für Autoren die eigenen Geschichten wie Kinder sind (stelle ich mir zumindest vor) und sie sehr viel Liebe investiert haben (hoffe ich zumindest immer). Dennoch muss ich sagen, dass MIR an diesem Buch absolut nichts gefallen hat. Das fängt damit an, dass der Klappentext irreführend ist, da er gar nicht die Hauptstory beschreibt. Es geht viel mehr um die Nacktfotos der Protagonisten auf dem Handy ihres Exfreundes, die er im Internet veröffentlichen will, wenn sie nicht wieder mit ihm zusammen kommt. Gar nicht weihnachtlich. Dabei ist das Cover so schön und lässt eine perfekte Winter/Weihnachts-Lektüre vermuten. Leider ist auch davon nichts zu merken. Die Geschichte könnte genauso zu jeder anderen Zeit stattgefunden haben.

Sehr große Probleme hatte ich auch mit dem Schreibstil, dem Charakterdesign und dem Setting. Die Sprache der Autorin (liegt vielleicht aber auch an der Übersetzung) ist sehr umgangssprachlich und (es tut mir leid, das sagen zu müssen) billig. Die Dialoge sind schlichtweg unnatürlich. Auf jeder zweiten Seite dachte ich, Niemand redet so!. Keiner der Charaktere war mir auch nur ansatzweise sympathisch. Alle Figuren sind berufstätig, Sam leitet eine PR-Agentur und Ava ist selbstständige Modistin, man kann also von einem gewissen Erwachsenenverhalten ausgehen, aber es wirkte eher, als würde ich eine High School Geschichte lesen. So wie ein naiver Teenager sich das Berufsleben vorstellt. Beschreibungen zur Umgebung, zum Beispiel Wohnungseinrichtung, waren praktisch gar nicht vorhanden. Und kein Schnee (wo wir wieder beim irreführenden Cover sind).

Am allerschlimmsten fand ich aber die Vorstellung einer Beziehung in dieser Geschichte. Sam küsst Ava mehrere Male ungefragt, obwohl sie gesagt hat, dass sie zur Zeit keine Beziehung will, aber das stört oder wundert sie nicht mal. Ava’s Freundin Izzy war vorher schon an Sam interessiert und Ava spricht auch mal von einem Kodex der einzuhalten wäre, dennoch passiert das alles einfach weiter. Das Buch erweckt den Eindruck, dass Händchenhalten, Küssen und zusammen etwas unternehmen noch keine Beziehung ausmacht. Erst wenn es zum Sex kommt, befindet man sich in einer Beziehung. Dabei schreckt weder Sam („Ganz egal, wie nervig du bist, wenn ich an Ficken denke, denk ich an dich.“ – S. 194) noch Ava („Willst du immer noch mit mir schlafen?“ – S. 300) von charmanten Annäherungsversuchen zurück. Zwischenmenschlich läuft hier ganz viel falsch.

Kurzum: Absolut keine Empfehlung. Weder für diese noch für zukünftige Weihnachten. Und auch nicht zwischendurch.


STERNENWINTERNACHT

Autorin: Karen Swan | Verlag: Goldmann | Seiten: 609 | Veröffentlichung: 16.10.17

Plot: Die begeisterte Snowboarderin Meg lebt und arbeitet in den Rocky Mountains. Eines Nachts kommt es während eines Schneesturms zu einer folgenschweren Katastrophe. Meg greift zum Funkgerät und setzt einen Hilferuf ab, der versehentlich bei einem Unbekannten landet. Jonas, berührt von Megs Verzweiflung, kann ihren Anruf nicht vergessen und funkt tags darauf zurück. Schon bald entwickelt sich eine zarte Freundschaft, und ganz langsam beginnt Meg sich zu fragen, ob sie vielleicht mehr für ihn empfindet. Doch kann man sich in jemanden verlieben, von dem man nur die Stimme kennt?

Meine Meinung: Als Leser hat man anhand des Covers und Klappentext ja schon eine gewisse Vorstellung, wie die Geschichte sein könnte, welche emotionale Tiefe zu erwarten ist und ob die Kost eher leicht oder schwer ist. Hier bin ich eigentlich von einer leichten Liebesgeschichte zur Weihnachtszeit ausgegangen – doch weit gefehlt! Hier steckt so viel mehr drin! Mehr als nur ein Anfunken zwischen zwei Menschen und auch weit mehr Story drumherum. Es ist schon fast schade, dass der Klappentext so wenig aussagekräftig ist und Leser diese Geschichte daher gar nicht entdecken.

Der Schreibstil der Autorin ist wundervoll. Realistisch (ja, ich schaue zu dir, Winterzauberküsse), mit einem guten Tempo, sodass es nie langweilig wird und vor allem einer wirklich kreativen Idee und Umsetzung. Ich musste genau drei mal ein wenig weinen – das erste Mal schon während der ersten 100 Seiten, weil das Buch mit einem harten Schocker beginnt und die Autorin ziemlich gut darin ist, Emotionen zu Papier zu bringen. Auch die Figuren waren klasse – vielschichtig, interessant und voller Überraschungen.

Einziges Manko: Die Geschichte ist nicht weihnachtlich und nur insoweit winterlich, als dass wir den Winter hier in Kanada verbringen und da nun mal Schnee liegt und Wintersport betrieben wird. Die Story umfasst ein Dreivierteljahr, hier gibt es also auch mal Sommer und entsprechend sinkt die weihnachtliche Empfindung. Keine Empfehlung also für die Vorweihnachtszeit, dafür aber eine Empfehlung übers ganze Jahr verteilt. Cover und Titel sind im Grunde schon passend, verleiten aber zu der Annahme, dass es sich hier um einen Winter-Weihnachtsroman handeln könnte.

Zum Schluss möchte ich euch noch die Rezension von Juliane / I AM JANE zu Winterglücksmomente ebenfalls von Karen Swan ans Herz legen. Ihr Eindruck zum Buch – nicht zur Story an sich – lässt sich auch auf Sternenwinternacht übertragen.


 

Author Profile

Maria von Riva
Maria von RivaIt's bigger on the inside.
Hey, ich bin Maria und bin 50 % von buchworte. Ich bin Hauptberuflich Rechtsanwaltsfachangestellte aus Hamburg. Überwiegend lese ich Young/New Adult und Fantasy, greife aber auch gern mal zu einem anderen Genre. Wenn ich nicht lese, schaue ich Netflix oder Let's Plays auf YouTube. Wenn keiner guckt, singe ich meinen Pflanzen Ellie Goulding vor.


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.